14
November
2024
|
12:00
Europe/Berlin

Logistics meets Science: was Projektlogistik mit Weltraumforschung zu tun hat

ELT-Atacama-Desert-Copyright-ESOL. CalçadaACe Consortium

Als Robert Witzl die Kamera sinken lässt, ist ihm der Stolz anzusehen: „Verladung erfolgreich“, meldet der Münchener, der als Business Development Manager im Bereich der Projektlogistik tätig ist. Die Ware, von der er spricht, ist mit ihren 399 x 325 x 258 Zentimetern zwar im Vergleich zu den Dingen, die die Projektlogistik bei Kühne+Nagel sonst bewegt, nicht übermäßig groß, aber sehr besonders: Im Inneren des Containers befindet sich die Spiegelzelle „M5“, die ein wichtiger Teil eines gigantischen Observatoriums im Westen Südamerikas sein wird.

Es gilt als „das größte Auge der Menschheit“: das Extremely Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO), kurz ESOs-ELT, in der Atacama-Wüste in Chile. Die Details, die es am Himmel erkennen lässt, sind 16-mal kleiner als es das Weltraumteleskop Hubble darzustellen vermag. Fast 800 einzelne Sechseckspiegel werden darin verbaut, um den 39 Meter Durchmesser großen Hauptspiegel entstehen zu lassen. Die M5-Zelle wird in dieser Konstruktion als Stützmechanismus für den weltweit größten Kippspiegel verbaut werden: Sie trägt dafür Sorge, dass die vom ELT gesammelten Bilder stabilisiert und damit auswertbar gemacht werden.

Die ESO mit Hauptsitz in Garching bei München ist Erbauer und Betreiber des Teleskopes. Sie hat Kühne+Nagel mit dem Transport der besonderen Fracht beauftragt. Es geht mit dem Schwerlasttransport samt Begleitfahrzeugen vom Produktionswerk in Spanien durch Frankreich bis nach Deutschland. Im Mittelpunkt des Konvois: Der Auflieger mit der sechs Tonnen schweren Spiegelzelle.

Verantwortlich für diese Herausforderung zeichnet die Projektlogistik. Sie findet Logistiklösungen für alles, was nicht in die buchstäbliche Box passt. Boote, Windkraftanlagen - oder eben auch Spiegel für Teleskope.

Spiegel-Teleskop-Verladung-ESO-2„Projekte wie dieses verlangen im Vorfeld einen hohen koordinativen Aufwand: Alle Beteiligten müssen sich abstimmen und flexibel bleiben. Zum einen müssen behördliche Auflagen eingehalten und zum anderen Lösungen für die Wünsche des Kunden gefunden werden“, erzählt Robert Witzl. Dazu kommen jede Menge Details: Wir prüfen die Zufahrtswege oder messen die Gebäudestrukturen für das Handling in der Halle ab. Für den Abladeprozess müssen Lastdiagramme und Hubhöhen berücksichtigt werden.

Allein geht das nicht. „Projektlogistik ist Teamarbeit“, sagt er. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tobias Bielang, Project Logistics Customer Excellence Team Leader, hat er den Transport Schritt für Schritt geplant – bis hin zum buchstäblichen Plan B für den Fall, dass schlechtes Wetter die Logistik vor besondere Herausforderung gestellt hätte.

 

Spiegel-Teleskop-Verladung-ESO-3Auch für die ESO ist eine Anlieferung wie diese nicht alltäglich. Die Ware ist hochsensibel und, sobald sie in Chile verbaut wurde, mit großen Hoffnungen für die Wissenschaft verbunden: „Mit dem ELT wird es beispielsweise möglich, erdähnliche Planeten anderer Sterne direkt zu entdecken und zu beobachten“, erklärt das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das ebenfalls mit einer Förderung am Teleskop beteiligt ist. Auf diesem Weg könne es gelingen, dort möglicherweise Hinweise auf Wasser, eine Atmosphäre und sogar lebensfreundliche Bedingungen zu finden.

„Projekte, wie dieses, führen uns immer wieder vor Augen, was für einen abwechslungsreichen Job wir haben. Natürlich macht es mich stolz, dass Kühne+Nagel daran beteiligt ist, Forschung in dieser Größenordnung möglich zu machen.“ Die Spannung, erzählt Robert Witzl weiter, sei dann noch ein bisschen höher, wenn es mit der Entladung losgehe und die Box letztendlich beim Kunden vor Ort geöffnet werde.

„Die M5-Spiegelzelle ist ein wesentlicher Bestandteil des ELT“, sagt Roberto Tamai, der ELT-Programmleiter der ESO. „In ihre Konstruktion flossen viele Jahre der Forschung und Entwicklung. Das macht sie zu einer wertvollen Fracht und ihren Transport zu einem kritischen Unterfangen. Die Aufregung war groß, als die Spiegelzelle wohlbehalten bei uns eintraf. Es war eine große Erleichterung, ein so einzigartiges Stück Feinmechanik für den Transport in erfahrenen Händen zu wissen.“

Über Kühne+Nagel

Mit über 80.000 Mitarbeitenden an nahezu 1.300 Standorten in fast 100 Ländern ist die Kühne+Nagel-Gruppe einer der weltweit führenden Logistikdienstleister. Kühne+Nagel hat seinen Hauptsitz in der Schweiz und ist im Schweizer Leitindex SMI notiert. Die Gruppe ist weltweit die Nummer 1 in der Luft- und Seefracht und verfügt über starke Marktpositionen in den Landverkehren und in der Kontraktlogistik.

Kühne+Nagel ist bevorzugter Logistikpartner für 400.000 Kunden weltweit. Die Gruppe bietet umfassende Supply-Chain-Lösungen für globale Unternehmen und Branchen an, basierend auf einem globalen Netzwerk, logistischem Know-how und datengestützten Analysen. Als Mitglied der Science Based Target Initiative (SBTi) engagiert sich Kühne+Nagel für eine nachhaltige Logistik und reduziert zum einen den eigenen ökologischen Fussabdruck und unterstützt zum anderen Kunden mit klimafreundlichen Logistiklösungen.